Automatisierung – ein Interview mit Thomas Strobel

01/2026 – Wie können moderne Automatisierungslösungen die Werterhaltung von Produkten revolutionieren und zum Enabler der Kreislaufwirtschaft werden? Referent Thomas Strobel widmet sich den neuesten Potenzialen und praxisnahen Ansätzen in der Automatisierung.

Thomas Strobel ist Diplomingenieur für Maschinenwesen der TU München. Als Projektleiter, Technologiemanager und Führungskraft sammelte er 16 Jahre internationale Berufserfahrungen in verschiedenen Branchen mit Schwerpunkten in Prozessgestaltung, Zukunftsplanung, Strategieentwicklung sowie Innovations- und Portfoliomanagement. Seit 18 Jahren ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der FENWIS GmbH in Gauting bei München (www.fenwis.de).

Aufgrund seiner Praxiserfahrung arbeitet er heute in seiner Rolle als „Zukunftslotse“ für innovative mittelständische Unternehmen und Industrieverbände besonders industrienah.

Methodisch hat er sich spezialisiert auf systematische Zukunftsplanung mit Perspektivwechsel für vorausschauende Geschäftstransformation zu neuen Geschäftsmodellen und zukünftigen Wettbewerbsvorteilen. Seine Kunden nutzen seine Expertise über praxisnahe und umsetzungsorientierte Vorträge, Workshops und Zukunftsprojekte.

Lesen Sie im Interview mit Thomas Strobel, was Automatisierung und Werterhalt verbindet und welche Rolle dabei digitale Technologien spielen.

Herr Strobel, wenn wir an Automatisierung denken, verbinden viele damit Effizienzsteigerung – Sie sprechen jedoch von Werterhaltung. Wie verändert diese Perspektive den Blick auf Automatisierung grundlegend?

Heute haben wir einen häufig extrem hohen Automatisierungsgrad und im Wertaufbau von Produkten, während der Werterhalt häufig manuelle Arbeit von Fachpersonal erfordern, falls die Produkte in der Entwicklung überhaupt reparierbar gestaltet wurden. Daraus folgt natürlich ein großes Potenzial für Unternehmen, die es schaffen, demontagegerecht gestaltete Produkte in automatisierten Anlagen oder mit Hilfe von Robotern – auf der Basis ohnehin vorhandener Daten aus der Montageautomatisierung – zu zerlegen und wieder aufzubereiten.

Welche Rolle spielen digitale Technologien wie KI, Cobots oder Augmented Reality, wenn es darum geht, Produkte länger nutzbar zu machen und Ressourcen zu schonen?

Die ersten beiden erleichtern die Automatisierung von Demontageprozessen und damit auch Reparaturen oder Wiederaufarbeitung von Produkten und Komponenten. Augmented und Virtual Reality können die Grundlage bilden, um an zahlreichen Stellen dem Fachkräftemangel zu begegnen. Denn mit der richtigen Kombination von Datenaufbereitung und personalisierter Informationsbereitstellung wird es möglich sein, Assistenzsysteme zu entwickeln, die auch weniger versiertem Personal die Möglichkeit geben, Facharbeiten auszuführen.

Viele Unternehmen stehen vor der Frage, ob sich Investitionen in automatisierte Rückbau- oder Wiederaufbereitungsprozesse wirklich lohnen. Welche Argumente überzeugen hier am meisten?

Ein Unternehmen, das in der Lage ist, aus seinen eigenen Produkten Baugruppen und Komponenten auf hoher Wertschöpfungsstufen zurückzugewinnen, hat erhebliche Einsparungen. Der Grund ist, dass die darin enthaltene graue Energie weiter genutzt werden kann und deutlich weniger Rohmaterial in der Fertigung benötigt wird. Auf diese Weise werden insbesondere Unternehmen belohnt, die ihr Design konsequent auf R-Strategien ausrichten, weil sie in Verbindung mit den richtigen Geschäftsmodellen alle dadurch ermöglichten Vorteile selbst nutzen können.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Wie wird die Zusammenarbeit zwischen Mensch, Roboter und digitalen Systemen in einer nachhaltigen Produktion aussehen?

Abgeleitet aus dem Fachkräftemangel werden wir zunehmend alle Tätigkeiten, die nicht zwingend ein Mensch ausführen muss, an kostengünstige und flexible Roboter übertragen. Das setzt neben vorausschauender Produktentwicklung gut gepflegte Datenbanken in Verbindung mit präziser Sensorik, intelligenter Bildverarbeitung und fortgeschrittenen KI-Modellen voraus. An kritischen Stellen werden vermutlich Menschen gemeinsam mit Cobots arbeiten, um das Know-how des beteiligten Menschen möglichst produktiv zu nutzen. Die alleinige Arbeit eines Menschen wird sich dann vorwiegend an Stellen finden, wo Erfahrung, Know-how, Problemlösungskompetenz und hohe Flexibilität in einer Person zusammenkommen müssen. Oder in Bereichen, in denen „Manufaktur“ ein Schlüsselelement der Wertschöpfung und Wertschätzung ist.

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