Circular Design: ein Interview mit Jessika Kunsleben

12/2025- Geschäftsmodelle, die für nachhaltige Produkte entwickelt werden, sind zukunftweisende Ideen, die Themen wie beispielsweise notwendige Rückführsysteme, Wartung oder auch Reparaturen, abdecken.
Jessika Kunsleben vom Team der Effizienz-Agentur NRW (efa) berät produzierende Unternehmen sowie Handelsunternehmen zu ressourcenschonenden Investitions- und Innovationsvorhaben – einschließlich der Beratungsförderung und Finanzierung.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt in der Projektleitung der strategischen Themen Circular Design, ressourcenschonender Handel sowie dem NRW-Preises für Ressourcenschonung. Darüber hinaus entwickelt sie Ansätze zur Reduktion von Material- und Energieverbräuchen, zur Implementierung zirkulärer Produktansätze und zur nachhaltigen Transformation industrieller Prozesse.
Als Dozentin unterrichtet sie u.a. nachhaltiges Design, Supply Chain Management und Sustainability Management.
Im Interview berichtet Sie über den Weg zur nachhaltigen Transformation und dem Unterschied zum Produktdesign.
Frau Kunsleben, Circular Design gilt als Schlüssel zur nachhaltigen Transformation. Was unterscheidet diesen Ansatz grundlegend vom klassischen Produktdesign?
Circular Design stellt nicht das einzelne Produkt, sondern den gesamten Ressourcenkreislauf in den Mittelpunkt. Klassisches Produktdesign folgt meist einem linearen Prinzip – herstellen, nutzen, entsorgen. Circular Design dagegen beginnt mit der Frage: Wie bleibt der verwendete Wertstoff möglichst lange im Umlauf? Das verändert den gesamten Entwicklungsprozess. Materialien werden so ausgewählt, dass sie reparierbar, trennbar oder wiederverwendbar sind. Man gestaltet bewusst für ein System, in dem aus Abfall wieder Wert entsteht.
Sie sprechen davon, dass Circular Design nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bietet. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Potenziale für Unternehmen?
Die größten Potenziale liegen in der Resilienz und in neuen Geschäftsmodellen. Wer zirkulär denkt, macht sich weniger abhängig von volatilen Rohstoffmärkten und steigert gleichzeitig Effizienz und Materialausbeute. Zudem entstehen neue Wertschöpfungswege – etwa durch Reparaturservices, Refurbishment oder modulare Ersatzteilangebote. Unternehmen, die früh auf Circular Design setzen, stärken nicht nur ihre Nachhaltigkeitsbilanz, sondern verschaffen sich einen klaren Innovations- und Wettbewerbsvorsprung.
Oft heißt es, nachhaltige Gestaltung beginne schon bei der ersten Idee. Wie gelingt es, ökologische und funktionale Anforderungen frühzeitig in Einklang zu bringen?
Entscheidend ist ein gemeinsamer Startpunkt. Wenn Design, Technik, Einkauf und Nachhaltigkeit zu Beginn eines Projekts an einem Tisch sitzen, können ökologische Kriterien genauso früh verankert werden wie funktionale Anforderungen. Das führt zu Produkten, die alltagstauglich sind, aber gleichzeitig weniger Ressourcen verbrauchen. Gute Circular-Design-Prozesse arbeiten deshalb mit klaren Leitlinien – etwa zur Materialwahl, zur Reparierbarkeit oder zu modularen Lösungen. Je früher diese definiert sind, desto besser gelingt die Balance.
Wenn Sie an erfolgreiche Beispiele denken: Was machen Unternehmen besonders gut, die Circular Design bereits konsequent in ihre Geschäftsmodelle integriert haben?
Diese Unternehmen denken nicht in Einzelmaßnahmen, sondern in Zusammenhängen. Sie entwickeln Produkte modular und langlebig, kennen ihre Materialströme sehr genau und bauen Rücknahmesysteme auf, die tatsächlich genutzt werden. Gleichzeitig öffnen sie sich für neue Geschäftslogiken – etwa Miet- oder Serviceangebote, die den Lebenszyklus verlängern. Sie entwickeln ihre Designkompetenz konsequent weiter, treiben Materialinnovationen voran und arbeiten partnerschaftlich entlang der Wertschöpfungskette. Genau darin liegt die Wirksamkeit von Circular Design.
Das Event ‚Circular Talk: Circular Design‘ findet am 03.12.2025, 16-17 Uhr statt. Seien Sie bei dabei und melden Sie sich an: Circular Talk: Circular Design.



