Der Zukunftscheck – ein Interview mit Thomas Strobel

10/2026 – Welche Technologien werden den deutschen Mittelstand in den kommenden Jahren nachhaltig verändern – und welche verschwinden schneller wieder, als sie gekommen sind? Welche Entwicklungen bieten neue Chancen und ermöglichen bereits heute echte Wettbewerbsvorteile? Und wo entstehen neue Risiken, auf die sich Unternehmen schon jetzt vorbereiten sollten?
Im Interview spricht Thomas Strobel über nachhaltige Entwicklungen für die Zukunft.
Herr Strobel, Unternehmen werden beinahe täglich mit neuen Technologien und vermeintlichen „Gamechangern“ konfrontiert. Woran lässt sich erkennen, ob wir es mit einem kurzfristigen Hype oder tatsächlich mit einer Entwicklung zu tun haben, die ganze Branchen nachhaltig verändern kann?
Wir unterscheiden in unserer Arbeit an Zukunftsthemen zwischen verschiedenen Indikatoren, die insbesondere mittel- und langfristige Veränderungen beeinflussen: Dazu gehören breitere Wirkzusammenhänge, die beispielsweise Erfolgsfaktoren im Wettbewerb, wahrnehmbaren Kundennutzen oder Geschäftsmodelle verändern – oder zukünftig in völlig neuartiger Form ermöglichen. Charakteristisch ist dann auch oft, dass sich diese Entwicklungen gut als logische Abfolgen in Roadmaps erfassen und beschreiben lassen.
Allerdings können auch heutige Hypes erste Strohfeuereffekte sein, die auf neue Möglichkeiten hindeuten, die erst zu einem späteren Zeitpunkt zu wirksamen und nachhaltigen Veränderungen führen. Deshalb kann es sinnvoll sein, sie unter Beobachtung zu nehmen, um ihre Fortschritte und Wirkungen kontinuierlich zu verfolgen. Das schützt vor Überraschungen und Fehleinschätzungen.
Quantentechnologien, humanoide Robotik, KI-Agenten, Edge AI, Biotechnologie oder neue Materialien – die Liste möglicher Zukunftstechnologien ist lang. Gibt es Entwicklungen, deren Bedeutung für den deutschen Mittelstand heute noch deutlich unterschätzt wird?
Die Gefahr ist aus unserer Erfahrung dort am größten, wo Entwicklungen das Potenzial haben neue Geschäftsmodelle der Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen und/oder branchenübergreifend wirksam zu werden. Dazu gehören beispielsweise Kreisläufe, die heutige Abfälle zu Rohstoffen machen, die Einsatzmöglichkeiten und Verfügbarkeit nachwachsender Rohstoffe oder die Rohstoffproduktion mit Hilfe von Mikroorganismen wie Algen, Bakterien, oder Pilze. Auch die Zusammenarbeit in Wertschöpfungsnetzwerken und die zukünftige Bereitstellung von aus heutiger Sicht branchenübergreifenden Lösungen zählt dazu. Das betrifft im Kontext Kreislaufwirtschaft vor allem Kundennutzen, der dann nicht mehr über einen Produktverkauf, sondern in Form von X-as-a-Service mit neuen Abrechnungs- und Bezahlmodellen angeboten wird.
Gerade mittelständische Unternehmen können nicht jeden technologischen Trend verfolgen oder in jede neue Technologie investieren. Wie gelingt es ihnen, früh genug die richtigen Entwicklungen zu erkennen, ohne jedem Trend hinterherzulaufen?
Unternehmen, die ein bereits Zukunftsbild 2050 erarbeitet und beschrieben haben, kennen das Zielbild ihrer Transformation bis 2050. Und für diese bevorstehende Expedition, die sich von den Anpassungsprozessen der letzten Jahrzehnte deutlich unterscheiden wird. können sie für erfolgskritische Themengelder Roadmaps für die kommenden 24 Jahre entwerfen. Sie geben Unternehmen gerade dann Orientierung, wenn es darum geht, erkennbare Trends und neue Entwicklungen aus Unternehmenssicht in ihrer Wirkung zu analysieren und in ihrer Bedeutung zu bewerten. Als Ergebnis arbeiten diese Unternehmen in der kurzfristigen Planung und Umsetzung mit abgeleiteten Maßnahmenplänen und Beobachtungslisten. Für eine mittel- und langfristige Perspektive nutzen sie Roadmaps und Zukunftslandkarten, die regelmäßig an den aktuellen Erkenntnisgewinn und Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung angepasst werden.
Das Event ‚Zukunftsdialog: Der Zukunftscheck‘ findet am 05.10.2026 | 16.00-17.30 Uhr statt.
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