Fachkräfte der Zukunft – ein Interview mit Thomas Strobel

Categories: Künstliche Intelligenz & IT, Management & New WorkPublished On: 23. Juli 2026

07/2026 – Sie fragen sich wie Unternehmen schon heute die Arbeitskräfte von morgen gezielt an neue Anforderungen heranführen können? Thomas Strobel zeigt Wege und Ansätze sowie moderne Ausbildungskonzepte mit flexiblen Nachschulungen.  In der Eventreihe ‘Visions-To-Go’ erklärte er digitale Qualifizierungsstrategien, den Nutzen von Online-Angeboten, personalisierte Bildung mit KI-Unterstützung und assistiertes Arbeiten mit Augmented bzw. Virtual Reality Lösungen.

Thomas Strobel ist Diplomingenieur für Maschinenwesen der TU München. Als Projektleiter, Technologiemanager und Führungskraft sammelte er 16 Jahre internationale Berufserfahrungen in verschiedenen Branchen mit Schwerpunkten in Prozessgestaltung, Zukunftsplanung, Strategieentwicklung sowie Innovations- und Portfoliomanagement. Seit 18 Jahren ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der FENWIS GmbH in Gauting bei München (www.fenwis.de).
Aufgrund seiner Praxiserfahrung arbeitet er heute in seiner Rolle als „Zukunftslotse“ für innovative mittelständische Unternehmen und Industrieverbände besonders industrienah.

Methodisch hat er sich spezialisiert auf systematische Zukunftsplanung mit Perspektivwechsel für vorausschauende Geschäftstransformation zu neuen Geschäftsmodellen und zukünftigen Wettbewerbsvorteilen. Seine Kunden nutzen seine Expertise über praxisnahe und umsetzungsorientierte Vorträge, Workshops und Zukunftsprojekte.

Lesen Sie im Interview mit Thomas Strobel, welche neuen Konzepte erfolgsversprechend sind, um zukünftige Fachkräfte mit minimalem Aufwand einzubinden.

Herr Strobel, viele Unternehmen sprechen vom Fachkräftemangel – Sie sprechen von neuen Qualifizierungskonzepten. Warum reicht klassische Aus- und Weiterbildung künftig allein nicht mehr aus?

Wir verwenden zwar häufig Begriff Fachkräftemangel, aber ehrlicherweise handelt es sich um einen Köpfemangel, dem wir zukünftig mit neuen Konzepten für Informationsbereitstellung, Wissensvermittlung und Qualifizierung begegnen müssen. Das bedeutet einerseits, dass wir Automatisierung dort einsetzen sollten, wo der Mensch nicht zwingend erforderlich ist. Und menschlichen Mitarbeiter*innen sollten wir zusätzlich zu zukunftsorientierter Qualifizierung personalisiert und situativ Informationen und Handlungsanweisungen bereitstellen. Dadurch können mehr Mitarbeiter*innen Fachkräftetätigkeiten ausführen – gleichzeitig lassen sich Arbeitsqualtiät und -produktivität verbessern.

In Ihrem Vortrag geht es um flexible Wissens-Updates und personalisierte Bildung. Wie verändert KI aktuell die Art und Weise, wie Menschen lernen und Kompetenzen aufbauen?

Mit durchdacht gestalteten KI-Lösungen können wir den Wissensstand einer Person und ihre Handlungskompetenzen zielgerichtet abfragen und eventuelle Wissenslücken zu einem zukünftigen Tätigkeitsprofil ermitteln. Für den Wissens- und Kompetenzaufbau können dann automatisiert personalisierte Module für die Wissensvermittlung und die Fortschrittsüberwachung bereitgestellt werden. Zusätzlich lassen sich damit neuartige Konzepte für Training-on-the-Job realisieren. Ein KI-System Begleiten dann die Arbeit als Beobachter und bietet bei Bedarf zielgerichtete Arbeitshinweise oder Trainingsmodule an, die den Kompetenzaufbau unterstützen.

Assistiertes Arbeiten mit Augmented und Virtual Reality klingt für viele noch nach Zukunftsmusik. Welche konkreten Einsatzmöglichkeiten sehen Sie bereits heute in Unternehmen?
Technologisch gesehen haben wir alle Zukunftsbausteine, die wir benötigen, um zukünftig eine Nicht-Fachkraft über eine AR-/VR-Brille mit Kamera und KI-Unterstützung mit den nötigen Arbeitsanweisungen zu versorgen. Damit könnte die Person im assistierten Arbeiten einerseits die Arbeiten einer Fachkraft ausführen und dabei gleichzeitig neue Kompetenzen trainieren. Wichtig ist, dass wir zukünftig Daten für solche Anwendungen vorausschauend bereitstellen sowie mit digitalen Zwillingen und automatischer Dokumentation verknüpfen. Das ermöglicht zukünftig mehr Menschen Aufgaben in Wartung, Instandhaltung und Reparatur auszuführen und wird auch in Demontage- und Montageprozessen der Kreislaufwirtschaft viele neue Möglichkeiten für Prozesse schaffen, die werterhaltende Geschäftsmodelle in Zusammenhang mit R-Strategien unterstützen.

Sie thematisieren auch innerbetriebliches Wissensmanagement und neue Nachweisformen wie einen „Wissens-TÜV“. Welche Bedeutung wird kontinuierlich aktuelles Wissen künftig für Unternehmen und Mitarbeitende haben?

Wir können seit Längerem beobachten, dass die Halbwertszeit des Wissens abnimmt. In der Folge wird es wichtiger zu erkennen, welche Handlungskompetenzen Mitarbeiter*innen haben, statt den Fokus auf Wissen zu legen. Damit wird es auch relevanter zu wissen, welche Tätigkeiten eine Person in hoher Qualität ausführen kann, als welches Wissen sie laut Zeugnis theoretisch hat.

Der „Wissens-TÜV“ würde es ermöglichen, mit praxisnahen Aufgabenstellungen die Handlungskompetenzen von Personen in regelmäßigen Abständen zu erfassen und anschließend Informationen aus dem innerbetrieblichen Wissensmanagement oder zielgenaue Qualifizierungsmodule bereitzustellen, die einen nachvollziehbar aktuelles Kompetenzlevel sichern.

Wenn Unternehmen sich heute auf die Arbeitswelt von morgen vorbereiten möchten: Welche Denkweise oder welcher erste Schritt ist aus Ihrer Sicht entscheidend, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben?

Im ersten Schritt wird es wichtig sein, sich mit Hilfe eines Zukunftsbildes 2050 die Grundlage für zukünftige Geschäftsmodelle und Wettbewerbsvorteile der Kreislaufwirtschaft zu erarbeiten. Denn daraus lassen sich sowohl die Informationen ableiten, die die Transformation von zukunftsorientieren Unternehmen in den kommenden 24 Jahren prägen werden. Die kontinuierliche Anpassung der Arbeitswelt bekommt dadurch Rahmenbedingungen auf die sich Unternehmen, Mitarbeiter*innen und Bildungseinrichtungen vorausschauend einstellen können.

Die Eventreihe ‚Visions-to-Go‘ mit Thomas Strobel wird im Herbst fortgesetzt.

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