Fördermittel für Investitionen – ein Interview mit Marc Bonaldo

Categories: Förderung & FinanzenPublished On: 10. September 2026
Auf einem Tisch liegt ein Taschenrechner sowie mehrere Diagramme und ein Kugelschreiber.

09/2026 – Unternehmen stehen vor erheblichen Investitionsbedarfen: Energie- und Ressourceneffizienz, Digitalisierung, Automatisierung, Dekarbonisierung und Standortentwicklung erfordern hohe finanzielle Aufwendungen. Gleichzeitig existiert eine Vielzahl von Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene, deren Potenziale jedoch häufig ungenutzt bleiben.

Marc Bonaldo, Ayming Deutschland GmbH, berät Unternehmen mit dem Schwerpunkt auf Investitionsförderung, Forschungsförderung sowie die steuerliche Förderung von Innovationen (Forschungszulage).

Im Interview spricht Marc Bonaldo über Förderprogramme, typische Denkfehler und Erfolgsfaktoren.

Herr Bonaldo, viele Unternehmen investieren derzeit in Energieeffizienz, Digitalisierung oder Dekarbonisierung. Warum bleiben trotz dieser hohen Investitionsbedarfe so viele Fördermöglichkeiten ungenutzt?

Unsere Erfahrung ist, dass das Thema „Fördermittel“ in den meisten Unternehmen nicht systematisch genug angegangen oder zu spät betrachtet wird. Die meisten Unternehmen können es sich nicht leisten, eigene Fördermittelexperten zu beschäftigen, in anderen Fällen fühlt sich in komplexen Organisationen niemand zuständig für das Thema.

Letztlich führt dies dazu, dass Investitionsentscheidungen getroffen werden, ohne dass das Fördermittelpotenzial analysiert wurde. Häufig ist es dann aber schon zu spät. Ist die Investitionsentscheidung erstmal getroffen, soll die Maßnahme meist zeitnah begonnen werden.  Dann bleibt oft nicht mehr die nötige Zeit, um Fördermittel einzuwerben. Eine Beantragung im Nachhinein ist meist nicht möglich.

Förderprogramme gelten häufig als komplex und unübersichtlich. Welche typischen Denkfehler oder Missverständnisse begegnen Ihnen in der Praxis am häufigsten, wenn Unternehmen ihre Investitionsprojekte bewerten?

Ein Missverständnis ist sicherlich die Vorstellung, das Projekte besonders innovativ sein müssen, um förderfähig zu sein. Auch die Vorstellung, dass Investitionsförderung mit viel administrativem Aufwand verbunden ist, ist nicht immer richtig. Anders als bei der Forschungsförderung sind die Hürden bei der Nachweisführung im Investitionsbereich deutlich niedriger. Verlangt werden am Ende keine seitenlangen Berichte, die viele Mitarbeiterstunden binden, sondern verhältnismäßig einfache Kostenübersichten und Nachweise der erfolgten Installation. Die Risiken sind deutlich geringer als in der Forschungsförderung.

Ein weiteres Missverständnis ist die Annahme, dass Großunternehmen meist ausgeschlossen sind von Förderprogrammen. Bei Ayming besteht der Kundenstamm zu ca. 70-80% aus Großunternehmen.

Komplex kann die Antragstellung selbst dagegen durchaus sein. Da hilft nur eine gute Kenntnis der jeweiligen Richtlinie. Wichtiger – und wahrscheinlich noch komplexer – ist jedoch die Phase, die der Antragstellung vorangeht und in der geklärt wird, ob es überhaupt Förderansätze gibt für ein Projekt und wenn ja, ob es sich auch lohnt eine Förderung zu beantragen.

In Ihrem Vortrag zeigen Sie, wie Investitionsvorhaben systematisch auf ihre Förderfähigkeit geprüft werden können. Was unterscheidet dabei Unternehmen, die erfolgreich Fördermittel einwerben, von denen, die ihre Chancen ungenutzt lassen?

Unternehmen, die erfolgreich Förderung einwerben, nehmen das Thema frühzeitig, meist schon in der Konzeptionsphase eines Projekts, mit in den Blick. Wir sprechen immer frühzeitig und systematisch mit unseren Kunden über deren CAPEX-Planung und analysieren Förderpotenziale, damit das Thema Förderung auf der Agenda bleibt und rechtzeitig adressiert ist. Nur so ist sichergestellt, dass im Falle einer positiven Entscheidung über das Stellen eines Antrags auch noch genügend Zeit für den eigentlichen Antragsstellungs- und Bewilligungsprozess bleibt.

Wir beobachten außerdem, dass die realistische Aussicht auf eine hohe Förderquote dann auch immer häufiger ein wichtiges Argument bei der endgültigen Entscheidung darüber ist, ob eine Investition nun getätigt werden soll oder nicht.

Ist man in dieser frühen Phase am Ball, kann auch frühzeitig ein Antrag eingereicht werden und der Zuwendungsbescheid kann auf dem Tisch liegen, bevor Bestellungen ausgelöst werden sollen. Ist man zu spät dran und die Bestellung muss vorher ausgelöst werden, ist die Förderchance dahin.

Sie berichten über Praxisprojekte mit Fördervolumina von mehreren Millionen Euro. Gibt es dabei Erfolgsfaktoren, die unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße immer wieder eine entscheidende Rolle spielen?

Zentral ist, dass das Projekt des Kunden im Vordergrund stehen muss und nicht versucht wird, Projekte inhaltlich so zu biegen, dass sie auf einmal förderfähig erscheinen.

Vom Förderprogramm aus zu starten und nach passfähigen Projekten zu suchen, macht aus unserer Sicht deshalb keinen Sinn.

Startpunkt ist immer das konkrete Projekt, bei dessen Betrachtung alle Parameter identifiziert werden, die für Ausgangssituation und Effekte des Projekts relevant sind. Gerade da liegt einer der wichtigen Erfolgsfaktoren; nur wenn alle ins und outs eines Projektes benannt und bewertet werden können, ist man im Stande, eine gute Förderanalyse zu machen. 

Oft führt dies dazu, dass die Darstellung eines Projekts in der Logik einer Förderrichtlinie durchaus von der bisherigen unternehmensinternen Sicht auf das Projekt abweicht: etwa weil das Projekt bestimmte Effekte hat, die fördertechnisch relevant sind, aus Sicht des Antragsstellers aber zunächst eher sekundär, tertiär oder sogar gar nicht quantifiziert waren. Jedes Förderprogramm hat seine eigenen Zielsetzungen und Spielregeln, und das sind nicht unbedingt die, die aus Unternehmenssicht im Mittelpunkt eines Projekts stehen.
Auch die im Sinne des Fördermittelgebers angestellten CO2-Einsparungs- oder Amortisationsberechnungen weichen häufig von der unternehmensinternen Sicht ab, weil die Berechnungsmethoden bzw. -vorgaben andere sind.

Weiterhin ist es bei großen und komplexen Projekten häufig der Fall, dass man erstmal innerhalb des Großprojektes nach einem kleineren abgrenzbaren Förderprojekt suchen muss. Erscheint eine Großinvestition zunächst nicht förderfähig, kann es dennoch gut sein, dass die Fokussierung auf einen bestimmten Teil des Projekts fördertechnisch interessant ist und eine Antragstellung zumindest für diesen Teil aussichtsreich ist.

Durch unsere Sicht- und Arbeitsweise finden wir häufig Projekte, die sich so für eine Förderung qualifizieren, bei denen unsere Kunden aber zunächst überhaupt kein Förderpotenzial sahen. Oder können sie sich vorstellen, wie wir sogar ein Silo in die Förderung gebracht haben?

Wenn Unternehmen nach Ihrer Veranstaltung nur einen zentralen Impuls mitnehmen könnten: Welche Frage sollten sie sich künftig bereits zu Beginn eines Investitionsprojekts stellen, um Förderpotenziale frühzeitig zu erkennen und erfolgreich zu nutzen?

Haben wir schon mit Ayming gesprochen?

Das Event ‚Fördermittel für Investitionen: Wie Unternehmen ihre Transformation finanzieren können‘ mit Marc Bonaldo findet am 17.09.2026 | 16.00-17.00 Uhr statt. Anmelden und dabei sein!

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