Innovationsmanagement – ein Interview mit Thomas Abele

12/2025 – Innovationsmanagement und Künstliche Intelligenz. Wie passt das zusammen? Prof. Dr. Thomas Abele, Gründer und Geschäftsführer von TIM Consulting, berät und begleitet seine Kunden insbesondere im Themenfeld Neugeschäftsgenerierung. Mit Big-Data Analysen ermöglicht TIM Consulting Deep Dives in neue Märkte und Technologien.
Im Interview verrät er uns, warum der Einsatz von KI ein Game Changer sein kann und wie KI dabei hilft, Szenarien mit realen Daten zu untermauern.
Herr Professor Abele, Sie haben neue Methodiken entwickelt, die KI gezielt in der Trend- und Wettbewerbsanalyse einsetzen. Wo sehen Sie derzeit den größten Hebel von KI im Innovationsmanagement – eher in der Ideenfindung, der Validierung oder der strategischen Entscheidungsunterstützung?
Der größte Hebel entsteht überall dort, wo durch KI Daten erstmalig verfügbar gemacht oder upgecycelt werden. Bei unseren Systemen handelt es sich dabei um Expertensysteme. Sie bereiten große Datenmengen aus Forschung und Patenten so auf, dass Experten im Sinne einer collaborative intelligence schnell zu fundierten Einschätzungen kommen.
Grundsätzlich sind bezüglich der Einsatzmöglichkeiten von KI im Innovationsprozess der Phantasie keine Grenzen gesetzt. KI kann bei Trendanalyse, Entscheidungsfindung als auch Ideenfindung eingesetzt werden und den jeweiligen Such- bzw. Lösungsraum signifikant erweitern. Interessanterweise kann selbst die als bug empfundene Halluzination dabei richtig genutzt zum Feature werden.
Viele Unternehmen verfügen über große Datenmengen, scheitern aber an der systematischen Nutzung. Wie gelingt es mit Ihren Ansätzen, aus unstrukturierten Informationen belastbare Innovationsimpulse zu generieren?
Die entscheidende Frage ist, was ich denn überhaupt erreichen möchte. Wir empfehlen dabei einen klaren Pull-Ansatz: Welche Aufgaben oder Prozessschritte sind aufwändig und fehleranfällig oder benötigen kreativen Input? Auf diese Weise werden insbesondere Themen angegangen, die den Mitarbeitenden im Tagesgeschäft einen direkt wahrnehmbaren Nutzen stiften.
Können Sie ein Beispiel geben, wie durch Ihre Methodik ein völlig neues Geschäftsfeld oder ein Kooperationsansatz entstanden sind, etwa zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen?
Unternehmen verfügen über wertvolle Kompetenzen, setzen diese jedoch oft nur innerhalb ihres etablierten Marktumfelds ein. Unser Ansatz hilft, mögliche Anwendungen jenseits dieses bekannten Umfelds systematisch aufzudecken und damit den sogenannten Local Search Bias zu überwinden.
So konnten wir mehrfach aufzeigen, dass bestehende Technologien in völlig neuen Branchen relevante Probleme lösen können. Das reicht vom Familienunternehmen, das sein Portfolio strategisch für die nächste Generation erweitert, bis hin zu Automobilzulieferern, die durch frühzeitige Re-Allokation ihrer Kompetenzen neue Geschäftsfelder jenseits des Verbrennungsmotors erschließen.
Klassische Trendanalysen sind oft retrospektiv. Inwiefern verändert KI die Art, wie Trends künftig erkannt, bewertet und für Innovationsstrategien genutzt werden können?
Die Zukunft vorhersehen kann natürlich niemand. KI ermöglicht es aber, schwache Signale wesentlich früher zu erkennen. Bei unseren Analysen tauchten z. B. Themen wie PFAS oder quantenresistente Verschlüsselung auf, lange bevor sie breite Aufmerksamkeit erhielten.
Darüber hinaus kann KI dabei helfen, Szenarien mit realen Daten zu plausibilisieren: Welche Entwicklungen zeichnen sich jetzt schon ab? Wo verdichten sich Muster in Publikationen und Patenten?
Wenn KI-Tools im Innovationsmanagement immer stärker integriert werden – welche Kompetenzen müssen Innovatorinnen und Innovatoren künftig mitbringen, um die Ergebnisse richtig interpretieren und nutzen zu können?
Das ist eine Frage, die momentan in der gesamten Gesellschaft kontrovers diskutiert wird – von der Schule über die Unternehmen bis hin zur Politik: Welche Kompetenzen brauchen wir in einer von KI-geprägten Welt? Aus unserer Sicht werden die Anforderungen an das Individuum eher steigen als sinken. KI macht Expertinnen und Experten noch besser, gleichzeitig entsteht bei anderen das Gefühl, den Anschluss zu verlieren.
Es ist wie mit dem Taschenrechner: Wenn ich den a) nicht bedienen kann und b) die Ergebnisse nicht verstehe, bringt mir die ganze Automatisierung nichts. Analog ist also die Fähigkeit, Suchräume sinnvoll zu definieren, Fragestellungen präzise zu formulieren und Ergebnisse hinsichtlich Plausibilität und Relevanz einzuordnen entscheidend. Diese Kombination aus Fachwissen, kritischer Reflexion und Urteilsfähigkeit wird künftig noch wichtiger.
Was dürfen die Teilnehmenden der kommenden Serie im AiF InnovatorsNet konkret erwarten – und welche Erkenntnisse oder Werkzeuge werden sie nach der Teilnahme in ihre eigene Innovationspraxis mitnehmen können?
Was mir an den kompakten Formaten des AiFs gefällt, ist die Praxisrelevanz. An konkreten Beispielen, wie KI in Trendanalysen, werden Einsatzmöglichkeiten aber auch Fallstricke vorgestellt und diskutiert. Zudem zeigen die intensiven Diskussionen und eine treue Stammcommunity, dass das AiF InnovatorsNet hier Formate entwickelt hat, die kurzweilig echten Nutzen stiften.
Events mit Thomas Abele und TIM Consulting sind für 2026 in Planung.



