Innovative Ideen und Schutzrechte – ein Interview mit Dr. Tanja Bendele

05/2026 – Dr. Tanja Bendele klärt darüber auf, wann Schutzrechte entstehen und wie sinnvoll mit Veröffentlichungen umgegangen werden sollte. Denn gerade im Umfeld von Hochschulen, Bildungseinrichtungen und angewandter Forschung bestehen viele Unsicherheiten.
Dr. Tanja Bendele, LL.M.,ist promovierte Chemikerin, deutsche Patentanwältin und European Patent Attorney. Sie ist Gründungspartnerin der Kanzlei Ruhr-IP Patentanwälte und vertritt Mandanten in den Bereichen Chemie, Pharmazie, Life Sciences, Medizintechnik, 3D-Technik, Batterietechnologie und Verfahrenstechnik. Sie vertritt internationale Konzerne sowie deutsche, mittelständische Unternehmen in allen Verfahren des Gewerblichen Rechtsschutzes. Ferner hat sich weitergebildet in Elektrotechnik und Informationstechnik. Darüber hinaus ist sie Mitglied des Vorstands der Patentanwaltskammer, Vorsitzende des Ausschusses für Patent- und Gebrauchsmustergesetz der Deutschen Patentanwaltskammer sowie Mitglied des Vorstands GRUR Bezirksgruppe West.
Lesen Sie im Interview mit Dr. Tanja Bendele wie Schutzrechte und geistiges Eigentum gewahrt werden können, wenn eine transparente Kommunikation und klare Vereinbarungen eingehalten werden.
Frau Bendele, innovative Ideen entstehen häufig in studentischen Projekten oder Forschungsarbeiten. Warum kommt es gerade hier besonders oft zu Unsicherheiten rund um Schutzrechte und geistiges Eigentum?
In der Zusammenarbeit mit studentischen Projekten oder Forschungsarbeiten können Unsicherheiten bei der Zuordnung von innovativen Ideen auftreten, denn dort entstehen Ideen häufig durch Brainstorming & Ideensammlung in Teams. Die Umsetzung und Zuständigkeiten sind noch im Entstehen, und genau zu diesem Zeitpunkt ist in der Regel noch kein ausgeprägtes Verständnis für die rechtliche Zuordnung der Ideen und einer tatsächliche Lösung vorhanden. Auch das Thema Schutzrechte steht noch nicht im Vordergrund.
Um frühe Sicherheit zu gewährleisten sind saubere Recherchen im Stand der Technik und klare Absprachen entscheidend, um eine gute Zusammenarbeit im Team über die Projektlaufzeit zu erzielen.
Viele Beteiligte gehen davon aus, dass automatisch klar ist, wem Ergebnisse oder Erfindungen gehören. Welche Missverständnisse begegnen Ihnen in der Praxis am häufigsten?
Die meisten Missverständnisse bestehen darin, dass eine Idee mit einer Lösung oder technischen Umsetzung verwechselt werden. Als Beispiel könnte man die Idee nehmen, dass wir Menschen zum Mond fliegen wollen. Ohne technische Lösung für die Idee, liegt noch keine Erfindung vor. In einem Erfinderteam sollte zudem vor Beginn der Entwicklung auf die möglichen Beiträge der Erfinder und vertragliche Regelungen geachtet werden.
Auch muss bekannt sein, was in diesem Kontext schon bekannt ist, denn ohne Neuheit und erfinderische Tätigkeit liegt keine Erfindung vor.
In Ihrem Vortrag thematisieren Sie den Spagat zwischen wissenschaftlicher Veröffentlichung und Schutzrechtsanmeldung. Warum ist der richtige Zeitpunkt dabei oft entscheidend?
Hier kann ich nur einen Merksatz nennen: Erst IP sichern, dann veröffentlichen!
Selbst eine Veröffentlichung vor der Publikation der eigenen Patentanmeldung kann langfristige Probleme bei der IP-Strategie bereiten, denn eine patentfähige Erfindung muss neu und erfinderisch sein.
Wenn Hochschulen, Unternehmen und Studierende gemeinsam an Innovationen arbeiten: Welche Rolle spielen transparente Kommunikation und klare Vereinbarungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit?
Ehrliche transparente Kommunikation sowie eindeutige und klare Vereinbarungen bilden das Fundament für erfolgreiches zusammenarbeiten in den vorgenannten Kooperationen, um Vertrauen zu schaffen und eine offene, inspirierende und innovationsfreundliche Atmosphäre als auch Rechtssicherheit zu schafften.
Was sollten aus Ihrer Sicht Bildungseinrichtungen und Unternehmen heute bereits tun, um Nachwuchskräfte frühzeitig für Datenschutz-, IP- und Schutzrechtsthemen zu sensibilisieren?
Zunächst sollten sie die Begeisterung für technisch naturwissenschaftliche Berufe bei Nachwuchskräften wecken als auch für ein Tüfteln an eigenen Entwicklungen in Teams, um Spaß und Resilienz bei Rückschlägen zu üben. In diesem Rahmen ist es dann wichtig sie im Datenschutz, den Nachteilen einer Recherche in öffentlichen Quellen im Kontext von IP- und Schutzrechtsthemen zu sensibilisieren.
Das nächste Event mit Dr. Tanja Bendele und dem Thema ‘Datenschutz & IP: Schützen ohne zu blockieren’ findet am 16.06.2026, 16.00-17.00 Uhr statt. Anmelden und dabei sein!



