Kreislaufwirtschaft 2050: ein Interview mit Thomas Strobel

11/2025 – Thomas Strobel zeichnet ein Zukunftsbild 20250 und diskutiert in verschiedenen Szenarien und Ausgangsmodellen die Themen Kreislaufwirtschaft, Geschäftsmodelle, Automatisierung, Robotik, Produktionsverfahren und Vieles mehr.
Im ersten Event bespricht er R-Strategien in der Kreislaufwirtschaft 2050 und wie diese ein Unternehmen wertschöpfend transformieren können.
Thomas Strobel ist Diplomingenieur für Maschinenwesen der TU München. Als Projektleiter, Technologiemanager und Führungskraft sammelte er 16 Jahre internationale Berufserfahrungen in verschiedenen Branchen mit Schwerpunkten in Prozessgestaltung, Zukunftsplanung, Strategieentwicklung sowie Innovations- und Portfoliomanagement. Seit 18 Jahren ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der FENWIS GmbH in Gauting bei München (www.fenwis.de).
Aufgrund seiner Praxiserfahrung arbeitet er heute in seiner Rolle als „Zukunftslotse“ für innovative mittelständische Unternehmen und Industrieverbände besonders industrienah. Methodisch hat er sich spezialisiert auf systematische Zukunftsplanung mit Perspektivwechsel für vorausschauende Geschäftstransformation zu neuen Geschäftsmodellen und zukünftigen Wettbewerbsvorteilen. Seine Kunden nutzen seine Expertise über praxisnahe und umsetzungsorientierte Vorträge, Workshops und Zukunftsprojekte.
Lesen Sie in einem kurzen Interview, wie die R-Strategien, wie Reduce, Reuse, Recycle, Rethink und Refuse, eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft fördern und welche ersten Schritte unternommen werden können.
Herr Strobel, wenn Sie an das Jahr 2050 denken – was wird sich Ihrer Meinung nach in unserem Verständnis von Kreislaufwirtschaft am grundlegendsten verändert haben?
Wir werden die Kreislaufwirtschaft dann als neues, aber etabliertes Ökosystem verstehen. Denn wir werden Geschäftsmodelle dann unter fünf wichtigen Aspekten mit anderen Prioritäten beurteilen:
- Zirkulär statt linear
- Ressourcengebrauch statt – verbrauch
- Werterhalt statt nur Recycling
- Wertstoff statt Abfall
- Naturrechte über Menschenrechte
Die sogenannten R-Strategien – Reduce, Reuse, Recycle, Rethink oder Refuse – klingen zunächst sehr technisch. Welche dieser Strategien birgt aus Ihrer Sicht das größte Transformationspotenzial für Geschäftsmodelle?
Großes Transformationspotenzial liegt in den Strategien, die die Lebensdauer von Produkten oder Komponenten in höheren Wertschöpfungsstufen gegenüber heute deutlich verlängern – dazu zählen insbesondere Reuse, Repair, Refurbish und Remanufacture, da sie die Ressourceneffizienz erheblich steigern. Das wird sich dann auch positiv in Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftsbilanzen niederschlagen, die mit zukünftigen Wettbewerbsvorteilen verknüpft sein werden.
Viele Unternehmen stehen noch am Anfang ihrer Nachhaltigkeitsreise. Welche ersten Schritte sind entscheidend, um den Weg in Richtung einer echten Kreislaufwirtschaft erfolgreich zu starten?
Entscheidend wird sein, dass sich Unternehmen mit einem Zukunftsbild 2050 und seinen veränderten Rahmenbedingungen und Prioritäten beschäftigen. Damit schaffen sie die Grundlage für das Verständnis von zukünftigen Kundenbedarfen und Märkten. Daraus können sie im nächsten Schritt ableiten, welche Rolle das Unternehmen in dieser Marktumgebung spielen will und welche Handlungsoptionen für Lösungs- und Leistungsangebote den Geschäftserfolg sichern sollen. Nach dieser Vorarbeit wird es möglich Transformationspfade zu entwerfen und mit Roadmaps zu untermauern.
Diese Schritte bringen mit überschaubarem Aufwand wichtiges Zukunftsverständnis, bevor beispielsweise tiefgehende Analysen, strategische Maßnahmen, F&E-Projekte, Partnerschaften etc. als Bausteine der Transformation genauer betrachtet werden.
Sie sprechen in Ihrem Vortrag auch über Wettbewerbsvorteile durch R-Strategien – können Sie uns einen kleinen Vorgeschmack geben, wie nachhaltiges Wirtschaften künftig zum Erfolgsfaktor werden kann?
Das heute gebräuchliche Model der R-Strategien unterscheidet 10 Ebenen, davon ist Recycling die vorletzte. Das bedeuten, dass auf den darüberliegenden Ebenen zukünftig ein höherer Werterhalt möglich sein wird. Wenn es dazu ein attraktives Geschäftsmodell gibt, das einen solchen Kreislauf schließen hilft, wird sich auch jemand finden, der es realisiert. Gestaltet in Unternehmen diese Innovation selbst, entstehen dadurch Wettbewerbsvorteile beispielsweise in Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftsbilanzen, die dann auch für Kunden nutzbar werden. Besetzt ein fremdes Unternehmen ein solches Geschäftsmodell für den ursprünglichen Hersteller der Bedarf an Neuprodukten ab und in der Folge sinkt die Nachfrage im Markt, was auch zu niedrigerem Marktvolumen, sinkenden Umsätzen und härterem Wettbewerb mit geringeren Gewinnen führen wird.
Das Event ‚R-Strategien in der Kreislaufwirtschaft 2050‘ findet am 27.11.2025, 16-17 Uhr statt. Seien Sie bei dabei und melden Sie sich an: Visions-To-Go: R-Strategien in der Kreislaufwirtschaft 2050



