Produktionsverfahren – ein Interview mit Thomas Strobel

Categories: Künstliche Intelligenz & IT, Technologien & ProduktePublished On: 9. März 2026

03/2026- Welche Produktionsverfahren können schneller Realität werden als wir es erwarten? Welche Fragestellungen sind für zukünftige Verfahren entscheidend? Referent Thomas Strobel zeigt wie wichtig nachhaltige Produktion ist und wie sich dies mit den neuesten Technologien vereinen lässt.

widmet sich den neuesten Potenzialen und praxisnahen Ansätzen in der Automatisierung.

Thomas Strobel ist Diplomingenieur für Maschinenwesen der TU München. Als Projektleiter, Technologiemanager und Führungskraft sammelte er 16 Jahre internationale Berufserfahrungen in verschiedenen Branchen mit Schwerpunkten in Prozessgestaltung, Zukunftsplanung, Strategieentwicklung sowie Innovations- und Portfoliomanagement. Seit 18 Jahren ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der FENWIS GmbH in Gauting bei München (www.fenwis.de).

Aufgrund seiner Praxiserfahrung arbeitet er heute in seiner Rolle als „Zukunftslotse“ für innovative mittelständische Unternehmen und Industrieverbände besonders industrienah. Methodisch hat er sich spezialisiert auf systematische Zukunftsplanung mit Perspektivwechsel für vorausschauende Geschäftstransformation zu neuen Geschäftsmodellen und zukünftigen Wettbewerbsvorteilen. Seine Kunden nutzen seine Expertise über praxisnahe und umsetzungsorientierte Vorträge, Workshops und Zukunftsprojekte.

Lesen Sie im Interview mit Thomas Strobel, was zukünftige Produktionsverfahren besonders macht und welche Denkweisen entscheidend sind

Herr Strobel, viele der heute diskutierten Produktionsverfahren klingen noch futuristisch. Welche dieser Ansätze werden Ihrer Einschätzung nach schneller Realität, als wir es aktuell erwarten?

In den kommenden Jahren werden wir ein starkes Wachstum beim 3D-Druck als Produktionsverfahren sehen. Das gilt insbesondere für komplexe, individualisierte oder kleinvolumige Bauteile. Auch belastungsoptimierte Bauteile mit gleichzeitiger Materialeinsparung sowie Ersatzteile-on-Demand werden zu diesen Potenzialen zählen.

Beispiele dafür sind:

·         Luft- und Raumfahrt: Metall-3D‑Druck für hochbelastete, komplexe Teile wie Brennkammern und Turbinenkomponenten

·         Medizin- und Dentaltechnik: Patientenspezifische Implantate & Prothesen sowie individuelle Orthopädieprodukte

·         Automotive und Mobilität: 3D-Druck komplexer Leichtbauteile, aber auch für die Fertigung von Produktions- und Montagewerkzeugen

·         Konsumgüter. Personalisierte Produkte von Schmuck, über Brillenfassungen bis hin zu Designobjekten und Möbeln aus Holz-3D-Druck

Nachhaltige Produktion wird oft mit Verzicht assoziiert. Wie zeigen neue Produktionsverfahren, dass Nachhaltigkeit und technologische Leistungsfähigkeit kein Widerspruch sind?

Im Gegensatz zur traditionellen spanenden Fertigung, wird beim 3D-Druck, nur noch das Material eingesetzt, das tatsächlich für die Funktion des Bauteils benötigt wird – das reduziert den Materialeinsatz, das Bauteilgewicht und die Bearbeitungsschritte.
Über einen Materialpass lassen sich die Materialeigenschaften von Bauteilen nachvollziehen, was es erleichtert, das Material sortenrein und qualitätssichernd in Kreisläufen zu führen. Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe wiederum erlaubt es in vielen Anwendungsfeldern auf fossilbasierte Fasern zu verzichten. In jedem Fall bedeutet Transformation jedoch, dass wir auf gewohnten Ressourcenverbrauch oft verzichten müssen, wenn innovative Lösungen mit Ressourcengebrauch und R-Strategien zukünftig zu besseren Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftsbilanzen führen

Sie stellen sehr unterschiedliche Technologien vor – von neuen Materialien bis hin zu dezentralen Produktionskonzepten. Was verbindet diese Ansätze aus Ihrer Sicht?

Das verbindende Element ist aus meiner Sicht, Ressourceneinsparungen in allen Prozessschritten der Produktion und Logistik zu erreichen. Das größte Potenzial liegt darin Rohstoffe und Materialien zu gebrauchen statt sie zu verbrauchen und stärker auf nachwachsende Rohstoffe zu setzen. Mit den richtigen Geschäftsmodellen lassen sich Bauteile und Wertstoffe in mehreren Zyklen nutzen. Das senkt den Ressourcenbedarf eines Unternehmens und hilft auch gegen die Rohstoffabhängigkeit bei Importen.

Wenn Unternehmen heute beginnen möchten, sich auf zukünftige Produktionsverfahren vorzubereiten: Welche Denkweise oder erste Fragestellung ist dafür besonders entscheidend?

Wir müssen uns vor Augen halten, dass die wenigsten linearen Produktionsprozesse von heute sich für die Kreislaufwirtschaft aufwandsarm schließen lassen. Deshalb ist es wichtig, sich über die Materialien und Rohstoffe Gedanken zu machen, die morgen verwendet werden sollen. Ein weiterer Aspekt ist, Prinzipien des Circular Design in Unternehmensprozessen zu etablieren, damit sowohl in der Forschung als auch in der Produktentwicklung die Anforderungen geschlossener Kreisläufe und die Umsetzung von effizienten R-Strategie Priorität bekommen.

Das Event ‘Zukünftige Produktionsverfahren einer nachhaltigen Wirtschaft’ findet am 12.03.26 statt. Zur Anmeldung geht es hier.

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