Roh- und Wertstoffe- ein Interview mit Thomas Strobel

04/2026 – Warum Roh- und Wertstoffe zukünftig einen entscheidenden Hebel für neue Geschäftsmodelle darstellen, erklärt Referent Thomas Strobel.

Thomas Strobel ist Diplomingenieur für Maschinenwesen der TU München. Als Projektleiter, Technologiemanager und Führungskraft sammelte er 16 Jahre internationale Berufserfahrungen in verschiedenen Branchen mit Schwerpunkten in Prozessgestaltung, Zukunftsplanung, Strategieentwicklung sowie Innovations- und Portfoliomanagement. Seit 18 Jahren ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der FENWIS GmbH in Gauting bei München (www.fenwis.de).

Aufgrund seiner Praxiserfahrung arbeitet er heute in seiner Rolle als „Zukunftslotse“ für innovative mittelständische Unternehmen und Industrieverbände besonders industrienah. Methodisch hat er sich spezialisiert auf systematische Zukunftsplanung mit Perspektivwechsel für vorausschauende Geschäftstransformation zu neuen Geschäftsmodellen und zukünftigen Wettbewerbsvorteilen.

Seine Kunden nutzen seine Expertise über praxisnahe und umsetzungsorientierte Vorträge, Workshops und Zukunftsprojekte.

Lesen Sie im Interview mit Thomas Strobel, warum Transparenz und Wissen über Materialien eine zentrale Rolle spielen.

Herr Strobel, in vielen Diskussionen zur Kreislaufwirtschaft stehen Prozesse im Fokus – Sie richten den Blick auf Materialien selbst. Warum werden Roh- und Wertstoffe künftig zum entscheidenden Hebel für neue Geschäftsmodelle?

Die Materialauswahl entscheidet darüber, ob wir zukünftig Ressourcen in einer Kreislaufwirtschaft gebrauchen oder in einer Wegwerfwirtschaft verbrauchen. Baugruppen, Komponenten und Wertstoffe, die wir zukünftig in Kreisläufen führen, reduzieren unseren Rohstoffbedarf und damit auch die Abhängigkeit von Lieferländern. Gleichzeitig verlängern sie die Lebensdauer von Bauteilen auf höheren Werterhaltungsebenen, was zu Einsparungen bei Energieeinsatz führt und die Nachhaltigkeit steigert.

Das bedeutet für Unternehmen, dass sie in zukünftigen Geschäftsmodellen Eigentümer ihrer Produkte bleiben. Der Anwender gibt sie nach der Nutzungszeit wieder an den Hersteller zurück, der dann die darin enthaltenen Komponenten und Wertstoffe weiternutzen kann.

Geschlossene Stoffkreisläufe klingen überzeugend, sind in der Praxis aber komplex. Wo sehen Sie aktuell die größten Stellschrauben, um diesen Anspruch realistisch umzusetzen?

Wahrscheinlich brauchen wir branchenübergreifend Initiativen für Rohstoff- und Materialkarten, mit denen wir einen Überblick bekommen, welche Materialien in Umlauf sind, wie wir die Vielfalt reduzieren können, welche Sammel-, Sortier- und Aufbereitungsprozesse dafür effizient genutzt werden können.

In der Praxis ergeben sich sicher unterschiedliche Modelle, wie diese Beispiele zeigen:

  • Im Maschinenbau hat der Maschinenhersteller vermutlich großes Interesse eine komplette Maschine zurückzuholen und über etablierte R-Strategien weiter zu nutzen.
  • Bei Elektronikgeräten wird es sinnvoll sein, wertvolle Geräte möglichst oft zu reparieren und aus dem Elektronikschrott von Billiggeräten eher die Rohstoffe zurückzugewinnen.
  • Bei Kunststoffabfällen wird es dafür sinnvoll sein, die verwendeten Materialien so zu kennzeichnen, dass sie in automatischen Sortierprozessen möglichst sortenrein für die weitere Nutzung getrennt werden können.

Digitale Werkzeuge und neue Materialkonzepte spielen eine zentrale Rolle. Wie verändern Transparenz und Wissen über Materialien die Art, wie Unternehmen Wertschöpfung denken?

Einerseits verbessern Digitale Produkt- und Materialpässe die Informationsgrundlagen für die Weiternutzung von Produktbestandteilen und Wertstoffen, andererseits unterliegen auch die Materialien einer Defossilisierung, was häufig einen Trend zu nachwachsenden Rohstoffen nach sich zieht.

Klar ist auch, dass konsequentes Circular Design dazu beiträgt, dass ursprüngliche Rohstoffe zu dauerhaften Gebrauchsstoffen werden können. Dadurch verlagert sich der Fokus vom preiswerten Materialeinkauf zur effizienten Materialaufbereitung.

Dadurch vollzieht sich ein Wandel von der linearen Wertschöpfung, wie wir sie kennen, hin zu einer Werterhaltung und Wertsteigerung von kreislauftauglichen Komponenten und Materialien.

Wenn Unternehmen heute beginnen möchten, ihre Geschäftsmodelle auf zukünftige Materialanforderungen auszurichten: Welche Grundsatzfrage sollten sie sich zuerst stellen?

Dafür sind vier zusammenhängende Fragen so beantworten, dass sie morgen Wettbewerbsvorteile ermöglichen:

Was sind unsere Erfolgsfaktoren im Ökosystem Kreislaufwirtschaft?
Mit welchen Geschäftsmodellen können wir zukünftig Geld verdienen?
Wie finden wir die beste Balance zwischen dem wahrnehmbaren Kundennutzen und unseren ressourcenschonendenn kreislaufwirtschaftstauglichen Geschäftsprozessen?

Welche Partnerschaften und Kooperationen werden wir benötigen, um die neuen Geschäftsmodelle erfolgreich gestalten zu können?

Das Event ‘Roh- und Wertstoffe in Geschäftsmodellen der Zukunft’ findet am 15.04.26 statt. Zur Anmeldung geht es hier.

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