Standort Deutschland – ein Statement von Rainer Färber

03/2026- Deutschland zählt mit Investitionen von über 3 % seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Forschung und Entwicklung (F&E) seit Jahren zu den führenden Innovationsnationen weltweit. Im Jahr 2023 belief sich das deutsche F&E-Budget auf rund 115 Milliarden Euro, wobei sowohl der Staat als auch die Wirtschaft maßgeblich zu diesen Ausgaben beitragen. Dennoch zeigt der Global Innovation Index 2024, dass Deutschland im internationalen Vergleich zurückfällt: Während die Bundesrepublik auf Rang 8 liegt, nehmen Länder wie die Schweiz (Platz 1), Schweden (Platz 2) und Singapur (Platz 5) die Spitzenpositionen ein.
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung sind die im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohen Energiepreise. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag der durchschnittliche Industriestrompreis in Deutschland 2024 bei rund 20 Cent pro Kilowattstunde – deutlich mehr als beispielsweise in Frankreich oder den USA.
Besonders energieintensive Branchen, etwa die Chemie- und Metallindustrie, sehen sich dadurch erheblichen Wettbewerbsnachteilen gegenüber ausländischen Konkurrenten ausgesetzt.
Zudem hemmt eine komplexe und oft langwierige Bürokratie den Innovationsprozess. Förderanträge benötigen laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) im Schnitt mehrere Monate bis zur Bewilligung. Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) empfinden die Verfahren als so aufwendig, dass sie auf eine Antragstellung verzichten. Hinzu kommt der schleppende Fortschritt bei der Digitalisierung: Laut OECD-Daten belegt Deutschland beim Glasfaserausbau in Europa nur einen Platz im Mittelfeld – 2024 lag die Glasfaserabdeckung bei etwa 25 %, während Länder wie Schweden bereits mehr als 70 % erreichen. Auch bei der digitalen Verwaltung und der Nutzung von E-Government-Angeboten hinkt Deutschland hinterher.
Dennoch bleiben die Stärken des Standorts unbestritten: Die deutsche Forschungslandschaft – etwa mit der Fraunhofer-Gesellschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft – genießt weltweit höchstes Ansehen. Der Mittelstand, insbesondere die sogenannten „Hidden Champions“, ist mit über 1.600 Unternehmen, die in ihren Nischen Weltmarktführer sind, ein internationales Vorbild. Darüber hinaus sorgen exzellent ausgebildete Fachkräfte und Ingenieure für ein hohes Innovationspotenzial.
Doch diese Vorteile allein reichen nicht aus, um die Innovationsführerschaft dauerhaft zu sichern. Entscheidend ist, dass Deutschland mehr Tempo bei der Umsetzung neuer Technologien, Mut zu unkonventionellen Ansätzen und vor allem klare sowie verlässliche Rahmenbedingungen zeigt. Nur durch eine konsequente Digitalisierung, den Abbau bürokratischer Hürden und wettbewerbsfähige Energiepreise kann Deutschland seine Rolle als Innovationsmotor Europas festigen und den Anschluss an die internationale Spitze wiederherstellen.



