Von der Idee zum bewilligten Antrag – ein Interview mit Carmen Beisswanger und Ralf Colin

Categories: Förderung & Finanzen, Künstliche Intelligenz & ITPublished On: 16. Januar 2026
Ein aufgeklapptes Buch mit mehreren Stiften und dem Schriftzug Innovation.

01/2026 – TIM Consulting GmbH und AiF FTK GmbH stellen in diesem Event die Kombination aus KI-gestützten Markt- und Technologierecherchen und Roadmapping-Expertise vor. Carmen Beisswanger und Ralf Colin beschreiben den Weg von der ersten Projektidee bis zum bewilligten Antrag.

Carmen Beisswanger (TIM Consulting GmbH):

Frau Beisswanger, viele Innovationsideen scheitern nicht an der Kreativität, sondern an der Umsetzung. Wo sehen Sie die häufigsten Brüche zwischen guter Idee und tragfähigem Innovationsprojekt?

Um Neues von der Idee in die Realität zu bringen, benötigt es einen langen Atem und viele kleine und große Schritte und Entscheidungen. Unternehmen benötigen neben der Fähigkeit neue Ideen zu entwickeln, auch die Strukturen und Prozesse, um diese zu konkretisieren, evaluieren und realisieren. 

Dabei darf weder ein zu großes Maß an Bürokratie, Formalität und Regulation den Entwicklungsprozess in die Länge ziehen – ein Aspekt, den wir in letzter Zeit häufig im Kontrast zu anderen Ländern wie bspw. China betonen, die scheinbar mühelos in kürzester Zeit neue Produkte unterschiedlichster Komplexität auf den Markt bringen. Noch dürfen wichtige Fragestellungen, wie Marktrelevanz, technologische Exzellenz und Qualität, zu kurz kommen – Faktoren für die wir als Industrienation stehen, die uns wichtig sind. Unternehmen können und müssen aus meiner Sicht individuell prüfen wo ihre Stärken und Schwächen in der Umsetzung neuer Ideen liegen, um dann spezifisch dort zu optimieren, wo die eigenen Potenziale noch nicht ausgeschöpft wurden. Dabei können neue Ansätze, insbesondere KI-gestützte, helfen schneller und besser zu werden.

Sie kombinieren KI-gestützte Markt- und Technologierecherchen mit strategischem Roadmapping. Was verändert dieser Ansatz konkret  im Vergleich zu klassischen Innovationsprozessen?

Mit unserer KI-Lösung CumulusAI lassen sich große Datenmengen in kurzer Zeit analysieren und wertvolle Einsichten in Technologien und Anwendungen gewinnen. Wir untersuchen hochwertige Primärdaten, z. B. wissenschaftliche Veröffentlichungen oder Patente, und können mithilfe unserer speziell auf die Entitäten Technologie, Anwendung, Funktion und Material trainierten Algorithmen präzise aufzeigen, welche Trendcluster in einem Themenfeld existieren und wo sich schnell wachsende Trends abzeichnen. So erhalten Unternehmen fundierte Einblicke, validieren ihre bestehende Entwicklungsroadmap und identifizieren häufig auch „White Spots“ – relevante Felder, die bislang nicht im Fokus standen. Neben dieser qualitativen Aufwertung durch unser Tool liegt der Mehrwert insbesondere für Expertinnen und Experten darin, im Arbeitsalltag deutlich schneller die Relevanz eines Themenfelds sowie die aktiven Player zu bewerten – von Wettbewerbern über neue Marktteilnehmer bis hin zu wissenschaftlichen Institutionen. Für Entscheidungsprozesse liefern wir kompakte Zusammenfassungen und vielfältige unterstützende Visualisierungen, sodass Unternehmen schneller UND faktenbasiert agieren können.

Wenn Unternehmen oder Institutionen nach dem Webinar nur einen Denk- oder Handlungsimpuls mitnehmen sollen – welcher würde deren Innovationskraft am schnellsten spürbar stärken?

In einem hoch-komplexen und dynamischen Umfeld mit hohen Unsicherheiten fallen Entscheidungen mitunter schwer – genau diese sind aber so wichtig, um ins Handeln zu kommen. Deswegen ist mein Impuls: lassen Sie sich bei Ihrer Entscheidungsfindungen im Innovations- und Entwicklungsprozess unterstützen, indem Sie intelligente Tools zur Hilfe nehmen, um Technologie-basierte Trends in Ihrem Marktumfeld zu erkennen und Ihre eigenen Aktivitäten danach auszurichten, wo fakten-basierte Wachstumsfelder liegen.

Ralf Colin (AiF FTK GmbH)

Herr Colin, viele Unternehmen bzw. Institutionen empfinden Förderanträge als komplex und zeitaufwendig. Was macht aus Ihrer Erfahrung den entscheidenden Unterschied zwischen einem guten und einem bewilligten Antrag aus?

Ein guter Antrag ist es, wenn die Projektidee, die Innovationshöhe, die technologische Abgrenzung zum Stand der Technik, das Projektkonsortium, die Aufteilung der Arbeitspakete und der spätere Verwertungsplan stimmig und vollständig ist.

Zu einem bewilligten Antrag wird dieser aber nur, wenn die entsprechende Ausschreibung mit den jeweiligen Zielen und Begutachtungskriterien genau beachtet und im Antrag umgesetzt wird. Welches TRL soll/darf erreicht werden, welche Innovationshöhe/Neuheit ist gefordert, wie soll ggfs das Konsortium aufgestellt sein, ist der Arbeitsplan und die Beteiligung aller Projektpartner ausgewogen berücksichtigt, passen die Budgets und Zeitplan zu den Arbeitspakten?
Hier empfiehlt sich die Begutachtungskriterien zu berücksichtigen und im Antrag zu beantworten. Der Gutachter will abgeholt werden und seine Bewertungskriterien im Antrag wiederfinden. Dabei sollte der Stand der Technik und die Abgrenzung der Projektidee ohne großen Aufwand wie z.B.  zusätzlich notwendige Literatur- und Technologierecherchen, nachvollzogen werden können.

Sie verfügen über tiefgehendes Wissen zu Förderinstrumenten und Netzwerken. Wie wichtig ist der richtige Förderpfad im Vergleich zur reinen Projektidee?

Beides ist gleich wichtig; wenn die Projektidee nicht zum Förderpfad passt, wird diese, auch wenn sie noch so innovativ ist, nicht erfolgreich sein und umgekehrt kann der jeweilige Förderpfad nicht die Mängel der Projektidee aufwiegen. Wie bereits oben angemerkt, sollte de jeweilige Ausschreibung bzw. die Kriterien des jeweiligen Förderung gründlich und genau gelesen und beachtet werden. Was ist die Erwartungshaltung des Förderinstruments an die zu erzielenden Ergebnisse und passt das zu meiner Projektidee? Im Zweifelsfall lohnt es sich immer beim benannten Projektträger nachzufragen, per Email oder sogar tel. um dort die Projektidee kurz vorzustellen und die Passfähigkeit zum Förderinstrument zu klären. Das spart viel Arbeit, Zeit und Frustration, wenn die Projektidee nicht zum Förderinstrument passt. Meist können bereits in dieser Beratung Lösung zu etwaigen Mängeln angeregt werden, wie z.B. die Fokussierung der Projektidee auf bestimmte Aspekte des Förderinstruments oder die Ergänzung des Konsortiums durch weitere Partner mit fehlenden notwendigen Kompetenzen.

Was würden Sie Unternehmen sagen, die Fördermittel grundsätzlich für „zu kompliziert“ halten – warum lohnt es sich trotzdem, diesen Weg strategisch anzugehen?

„Zu kompliziert“ würde ich nicht akzeptieren. Es ist je nach Förderinstrument mehr oder weniger aufwändig. Es muss ja nicht gleich ein EU-Netzwerkantrag sein als Fördermittel-Neuling. Es gibt genügend kleine, niederschwellige Förderinstrumente auf Landes- oder Bundesebene um hier in  die Förderthematik reinzuwachsen und kennenzulernen. Zudem gibt es genügend Experten in den Beratungsstellen oder aus Forschungseinrichtungen, die hier unterstützen. Die Förderprojekte sind überwiegend auch im Verbund und keine Einzelförderungen für nur die eigene Firma – gemeinsam ist das zu schaffen und neben dem finanziellen Anreiz durch die Förderung kann ich hier mein Partnernetzwerk erweitern und erproben und damit mehr erreichen als jeder für sich alleine – ganz nach Aristoteles: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!“

Und das geschieht ganz von selbst und neben der eigentlichen Projektarbeit!

Das Event ‘Von der Idee zum bewilligten Antrag’ findet am 22.01.26 statt. Anmelden und dabei sein!

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