Von Fördermitteln und Förderpotenzial – ein Statement von Rainer Färber

Categories: Förderung & Finanzen, News FTK, ThemenreihePublished On: 19. Januar 2026
Ein Tisch ist von oben fotografiert. Auf diesem liegen Stifte, Post-its, Diagramme und ein Laptop.

01/2026 – Die öffentliche Hand stellt in Deutschland jährlich rund 80 Milliarden Euro an Fördermitteln für Forschung und Innovation bereit. Diese Summe umfasst nationale Programme des Bundes und der Länder und wird durch europäische Initiativen wie Horizon Europe noch erheblich aufgestockt – das EU-Rahmenprogramm allein verfügt für den Zeitraum 2021 bis 2027 über ein Gesamtbudget von rund 95,5 Milliarden Euro. Zusammen mit weiteren EU-Fonds wie dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) oder dem Innovationsfonds übersteigt das jährliche Fördervolumen für deutsche Akteure damit deutlich die 100-Milliarden-Euro-Marke.

Trotz dieser beeindruckenden Summe bleibt das Förderpotenzial für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) weitgehend ungenutzt. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM Bonn) aus dem Jahr 2023 wissen mehr als 60 % der KMU nicht, welche Förderprogramme für sie überhaupt relevant sind. Eine aktuelle KfW-Analyse zeigt, dass im Jahr 2022 nur etwa 14 % der KMU in Deutschland Fördermittel beantragt haben – und davon wiederum erhielt nur etwa die Hälfte tatsächlich eine Zusage.

Zu den größten Hürden zählen demnach die hohe Komplexität der Antragsverfahren, mangelnde Transparenz sowie fehlende zeitliche und personelle Ressourcen im Unternehmen. Insbesondere kleine Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten verzichten häufig ganz auf Förderanträge, weil ihnen schlicht das Know-how oder die Kapazitäten fehlen.

Im Gegensatz dazu profitieren große Unternehmen und Forschungseinrichtungen deutlich stärker von den bestehenden Programmen: Sie verfügen meist über eigene Abteilungen für Fördermittelmanagement und sind besser mit den bürokratischen Abläufen vertraut. Während Großunternehmen laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) im Durchschnitt bis zu zehnmal häufiger Fördermittel beantragen als KMU, bleibt der Mittelstand beim Zugang zu den finanziellen Ressourcen oft auf der Strecke.

Gerade in der aktuellen Transformationsphase ist eine gezielte Förderung von KMU wichtiger denn je: Die Herausforderungen Digitalisierung, Dekarbonisierung und Fachkräftemangel erfordern massive Investitionen. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom planen 69 % der mittelständischen Unternehmen in den nächsten drei Jahren Investitionen in digitale Technologien – viele Projekte scheitern jedoch schon im Ansatz an fehlender Finanzierung. Ebenso beziffert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) den Investitionsbedarf zur Erreichung der Klimaziele allein im Mittelstand bis 2030 auf rund 350 Milliarden Euro.

Ein neuer Trend in der Förderlandschaft ist die stärkere Ausrichtung auf Wirkung und gesellschaftlichen Nutzen: Fördermittel werden zunehmend an messbare Kriterien wie CO₂-Einsparungen, Markteinführung innovativer Produkte oder Schaffung von Arbeitsplätzen geknüpft. Laut BMWK werden seit 2024 in einigen Programmen bis zu 30 % der Bewertungspunkte für nachgewiesene Nachhaltigkeit und Innovationshöhe vergeben. Zudem sorgt die fortschreitende Digitalisierung – beispielsweise durch nutzerfreundliche Antragsportale, digitale Dokumentenverwaltung und standardisierte Prüfprozesse – für mehr Transparenz und leichtere Zugänge. Durch Clusterbildung und regionale Innovationsnetzwerke erhalten KMU zudem gezieltere Beratung und können Synergien besser nutzen.

Damit Fördermittel künftig tatsächlich als Innovationsmotor wirken, fordern Experten und Verbände eine drastische Vereinfachung der Verfahren: Weniger Programme, dafür klarere Zugänge, digitale Antragstrecken und transparente Kriterien sollen den Mittelstand stärken und die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft langfristig sichern.

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