Wissensmanagement – ein Interview mit Simeon Graupe

Categories: Künstliche Intelligenz & IT, Management & New WorkPublished On: 27. November 2025
Ein Mann sitzt mit einem Laptop auf einem Tisch. Neben sich liegen Smartphone und Tablet.

11/2025 – Unternehmen stehen unter hohem Wettbewerbsdruck und müssen immer schneller innovieren. Entscheidend ist nicht mehr ob, sondern wie schnell interne FuE mit externem Wissen verbunden werden kann, um die eigene Produktentwicklung zu beschleunigen.

Simeon Graupe ist Mitgründer & Geschäftsführer von PatentPlus – eine KI-gestützte Innovation Scouting Plattform, die Innovationsbedarfe mit den relevantesten Technologien, Startups und Forschungsteams verbindet – von der klaren „Need“-Formulierung bis zur belastbaren Shortlist in Stunden, statt Wochen.

Lesen Sie im Interview wie KI Unternehmen hilft Partner zu ermitteln und welche Rolle KI im Innovationsmanagement spielen kann.

Herr Graupe, Sie sprechen davon, dass die Suche nach externen Lösungen und Partnern künftig nicht mehr vom Zufall, sondern vom System abhängen wird – was genau verändert KI in der Art und Weise, wie Unternehmen passende Lösungen und Partner finden?

Früher konnten Unternehmen vieles noch weitestgehend intern entwickeln. Heute ist das aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks und immer kürzerer Technologiezyklen kaum noch möglich, weil man Geschwindigkeit, Komplexität und alle notwendigen Kompetenzen kaum allein abdecken kann. Unter dem Zwang, immer schneller zu innovieren, sind externe Kooperationen und die Einbindung externer Lösungen zu einem zentralen Bestandteil erfolgreicher Innovationsstrategien geworden.

Die eigentliche Herausforderung besteht allerdings darin, die passendste Lösung oder den richtigen Partner zu finden. Der Weg dorthin ist bislang oft vom Zufall geprägt: Kooperationen entstehen über bestehende Netzwerke, den Besuch von Messen oder eine schnelle Google-Suche. Das führt in vielen Fällen dazu, dass man immer wieder bei denselben „üblichen Verdächtigen“ landet – man greift auf bekannte Anbieter, langjährige Partner oder prominente Player zurück, anstatt nach den wirklich passendsten Lösungen und Partnern für den eigenen Innovationsbedarf zu suchen. Das reduziert Suchkosten, schränkt aber die Optionsvielfalt und Innovationspotenziale ein.

Künstliche Intelligenz verändert diesen Prozess grundlegend: Sie ermöglicht eine deutlich systematischere und umfassendere Suche nach Lösungen und Partnern. In sehr kurzer Zeit lässt sich so ein wesentlich vollständigerer und deutlich weniger verzerrter Überblick über mögliche Optionen gewinnen.

Der „From Need-to-Match“-Prozess klingt nach einem echten Game-Changer. Was ist der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Recherchen oder klassischen Partnernetzwerken?

Unser Ansatz basiert auf einem klar strukturierten Prozess und einem speziell entwickelten Tool, das den gesamten Weg von der Bedarfsformulierung bis zur Kontaktanbahnung unterstützt – datengetrieben und KI-basiert. Am Anfang steht immer eine präzise und passgenaue Beschreibung des Bedarfs, die als Ausgangspunkt für die weitere Suche dient. Anschließend kommt unsere KI zum Einsatz, die unsere kuratierte Datenbank durchsucht. Dabei gilt für uns: Ohne hochwertige Datenbasis liefert selbst die beste KI keine guten Matches. Deshalb erfassen wir insbesondere Produktdaten, die für ein treffsicheres Technologie- und Partnermatching häufig entscheidend sind.

Die KI erzeugt zunächst eine Longlist relevanter Unternehmen und Technologien. Unsere KI-Assistenten helfen dann dabei, diese Longlist schnell in eine hochpassende Shortlist zu verdichten. Im letzten Schritt unterstützt unser System auch dabei, die richtigen Ansprechpartner zu identifizieren und die Kontaktanbahnung vorzubereiten.

So decken wir mit einem einzigen Prozess alle wichtigen Schritte ab: Need -> Search -> Qualification -> Contact.

Viele Unternehmen haben noch Vorbehalte, wenn es um den Einsatz von KI im Innovationsmanagement geht. Welche Missverständnisse begegnen Ihnen dabei am häufigsten?

Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, dass Künstliche Intelligenz Expertinnen und Experten vollständig ersetzt. Tatsächlich ist es gerade in komplexen Kontexten meistens umgekehrt: KI übernimmt vor allem die Fleißarbeit – zeitaufwendige, repetitive Tätigkeiten wie das Auffinden und Strukturieren von Informationen. So können Expert:innen schneller fundiertere Entscheidungen treffen und insgesamt deutlich produktiver arbeiten.

Ein weiterer Vorbehalt ist, dass KI eine undurchsichtige „Blackbox” sei. Das ist teilweise richtig – entscheidend ist aber, wie die KI aufgebaut ist. Sie wird deutlich transparenter, wenn sie nur mit den Daten arbeitet, auf die sie sich tatsächlich beziehen soll, und wenn diese Daten zugleich für Nutzer:innen bzw. Expert:innen einsehbar bleiben.

Das setzt natürlich eine qualitativ hochwertige Datenbank und intelligente Suche voraus, die der KI gezielt die relevanten Informationen zuspielt. Genau darauf haben wir uns spezialisiert: Wir erfassen und strukturieren große Mengen an Produktinformationen und weiteren Unternehmensdaten und verknüpfen sie mit einer leistungsstarken Suche. Dabei bleiben die verwendeten Informationen für unsere Nutzer:innen transparent und wir können zudem die Stärken der KI nutzen.

In Ihrem Workshop zeigen Sie live, wie KI in wenigen Stunden zu belastbaren Ergebnissen führt. Können Sie uns einen kleinen Vorgeschmack darauf geben, was die Teilnehmenden konkret erwartet?

Im Rahmen unseres Workshops führen wir die Teilnehmenden durch einen Live-Durchlauf des gesamten Prozesses und veranschaulichen dies an einem konkreten Beispiel. So erleben sie direkt, wie wir mit unserer Methode in kürzester Zeit zu passenden und belastbaren Ergebnissen gelangen.

Das Event ‘Mit System statt Zufall: Wie KI die Suche nach passenden Lösungen und Forschungspartnern beschleunigt’ fand am 18.11.2025 im AiF InnovatorsNet statt. Weitere Events mit Simeon Graupe sind für 2026 in Planung.

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